Wild, Wild East: Lemberg und Kiew

Endlich in Kiew angekommen! Es ist der fünfte Tag unserer Reise und von meinem Fenster schaue ich auf den Dnepr. Mit unserem Wohnmobil sind wir bei ukrainischen Ruderern untergekommen.Direkt nebenan campen einige hundert Schweden im offiziellen Fancamp. Im Gegensatz zur Nationalelf trägt die schwedische Mannschaft zwei Spiele nacheinander in Kiew aus, weshalb das Camp deutlich größer ausgelegt ist als das in Lemberg. Und überhaupt: in Kiew ist überhaupt alles viel größer, denn mit ihren 2,8 Millionen Einwohnern ist die Stadt gerade einmal ein bißchen kleiner als Berlin. In etwa einer Stunde brechen wir auf, um uns das Ganze live und in Farbe anzuschauen, weshalb es ersteinmal Impressionen unserer ersten beiden Stopps gibt.

Der erste Halt war wie schon erwähnt Krakau, das vielen Allesfahrern als Zwischenstopp auf dem Weg nach Lemberg diente. Eher durch Zufall haben wir auf Anhieb einen bewachten Parkplatz direkt am Stadion von Cracovia gefunden und konnten so die Stadt unsicher machen. Leider war es schon spät, so dass wir nicht allzuviele Bilder der Stadt knipsen konnten, aber es sei so viel gesagt: die Innenstadt mit ihren vielen Bars und Restaurants ist traumhaft schön und in jedem Fall eine Reise wert.

Von Krakau ging es weiter nach Lemberg und für die 350 Kilometer haben wir einen halben Tag gebraucht. Das liegt – man Höre und Staune – vor allem an der Verkehrssituation in Polen. Einspurige Straßen, die immer wieder durch total verstopfte Innenstädte führen. Verkehrschaos pur! Ganz anders die Straßen in der Ukraine, vor denen in allen Reiseführern gewarnt wurde. Die Hauptverkehrsstraßen wurden für die EM runderneuert. Sowohl die Strecke bis Lemberg als auch der Trip über die M06 bei Kiew waren super zu fahren – keine Spur von Schlagloch- oder Buckelpisten. Ganz anders sieht das in Lemberg selbst aus. Das Kopfsteinpflaster wurde gefühlt in der K&K-Zeit gesetzt und seitdem nicht mehr angerührt. Dazu gibt es keine Ampeln und keine Spuren. Wer mit dem Auto in die Innenstadt fährt, hat ein Erlebnis garantiert.

Gewohnt haben wir außerhalb in einer Feriensiedlung etwa 10 Kilometer außerhalb, was uns einen schönen Einblick in die Architektur erlaubte. In die Stadt ging es nämlich mit einem Taxi, was viel Zeit zu Schauen ließ. Gesetzt den Fall natürlich, wir litten nicht gerade unter Todesangst. Unser erster Fahrer – Codename „Michael Schuhmacher“ – legte einen Fahrstil an den Tag, der uns die Schweißperlen auf die Stirn trieb. Wer bremst, der verliert, und das Eröffnen einer dritten Spur auf dem Mittelstreifen gehört zur Tagesordnung. Taxi sollte nur fahren, wer auch sonst auf Action steht.

Lemberg selbst ist wunderschön und ich habe fest vor, diese Stadt nach der EM noch einmal zu besuchen. Der Bahnhof und viele andere Gebäude sind von der Architektur des Jugendstils geprägt, was mir als Darmstädter natürlich das Herz aufgehen lässt. Es gibt viele Plätze und Gassen mit Bars, wo nachts das Leben pulsiert. Hier hatten wir das große Glück Alexander kennenzulernen, der im Fancamp die Anreisenden und Abreisenden betreut und eigentlich Student an der Universität ist. Mit ihm waren wir in der Kryjivka Bar, in die man nur Einlass erhält wenn man die Wachen an der Tür mit „Slava Ukraini“ begrüßt. Das bedeutet soviel wie „Ehre der Ukraine“ und so ist auch das Innere der Bar aufgebaut, die in einem alten Kellerbunker liegt und voll auf den Zweiten Weltkrieg ausgerichtet ist. Wer etwas erleben möchte, sollte das Kryjivka auf jeden Fall besuchen.

Meine Zeit am Laptop endet, denn die anderen wollen auch etwas Schreiben und Mails abschicken. Wenn alles gut geht, melde ich mich noch einmal aus Charkow. PS: Ich muss nicht erwähnen, wie geil es beim Spiel war. Das habt ihr alle im Fernsehen gesehen. Nur so viel: das Tor gehört auch den Fans vor Ort, die unsere Jungs – ja ich sage das – zum Sieg gesungen haben!

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