Wild, Wild East: Schade Holland, alles ist vorbei ;)

Ihr könnt nach Hause fahr’n, ihr könnt nach Hause fahr’n! Was für ein Spiel, was für ein Sieg,was für eine Stimmung im Stadion. Und auch wenn die Holländer rein rechnerisch noch Chancen haben, glaubt hier niemand mehr an ein Weiterkommen der Oranje. Ihr merkt es schon: dieses Mal beginne ich meinen Beitrag nicht mit Land und Leuten, sondern mit Fußball. Die Stimmung im Stadion von Metalist war einfach unglaublich und ich bekomme selbt beim Schreiben eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Mit unserer Truppe, ergänzt durch einen Trupp Erlanger, haben wir mehrfach die Kurve angesungen. Wer schon einmal selbst in der Kurve gestanden hat wird nachvollziehen können welches Hochgefühl einen in diesen Momenten durchflutet. Und für alle, die es noch nicht erlebt haben: tut es! Ich hoffe ihr habt uns laut und deutlich im Fernsehen gehört. Und weil wir noch nicht durch sind, verspreche ich eins: Lemberg wird noch lauter!

Abseits des Spiels haben wir auch auf diesem Zwischenstopp wieder einiges erlebt und wahnsinniges Glück gehabt. Über die Mitarbeiter des deutschen Fanprojekts wurden wir vor Ort in Charkiw  auf einen Campingplatz in einer Ferienanlage gelotst. Ist gerade keine EM, dient das Areal der ukrainischen Oberschicht als Treffpunkt. Im „Arkada“ findet man deshalb dicke Schlitten, heiße Girls und reichlich Goldkettchen an den Handgelenken der Autobesitzer. Davon abgesehen bietet der Club westliche Standards und gehobenes Niveau. Wären nicht ständig die Polizei und der lokale Sicherheitsdienst um die Wohnwagen geschlichen, hätte man fast meinen können wir seien im Spanienurlaub, und nicht im tiefsten Osten der Ukraine. Die Temperaturen waren jedenfalls mindestens dieselben.

Charkiw selbst ist ganz anders als Lemberg und Kiew. Wie schon in meinem ersten Beitrag erwähnt, ist musikalisch alles sehr elektronisch angehaucht. In jedem zweiten Taxi lief Minimal-Techno und auch in den Bars und Cafes war viel House, Techno und Elektro zu hören. Bewegt haben wir uns zeitbedingt allerdings fast nur in der Innenstadt. Am Platz der Freiheit, der wirklich gewaltig ist, befand sich eine noch gewaltigere Fanmeile. Dahinter liegen der Zoo und ein großer Park in dem sich etliche Restaurants, Cafes und Bars befinden. Hier tobt das Leben und es war eine angenehme Abwechselung eine „Innenstadt im Grünen“ zu haben. Fast wie zuhause in Darmstadt. Interessant hier: der offensichtliche Verzehr von Alkohol ist in Charkiw wie in den USA verboten. Bier wird an den Kiosken zusammen mit braunen Papiertüten ausgegeben.

Von Charkiw geht es nun zurück nach Kiew. Losgefahren sind wir einen Tag später als geplant, was vor allem an zwei Faktoren lag. Zum einen war das Campen im Arkada wirklich wie Urlaub. Zum anderen war es mit unseren neuen Bekannten aus Erlangen einfach so lustig, dass wir einfach noch einen klassischen deutschen Grillabend einlegen mussten – Bier, Brot und jede Menge Fleisch inklusive totaler Eskalation und Nacktbaden im See. Selbstverständlich immer begleitet von der Polizei und dem Wachdienst. Anyway: zurück auf der Straße habe ich mit meiner Prognose Recht behalten. Die ukrainischen Bautrupps haben es wirklich geschafft innerhalb von drei Tagen die Straße fertig zu bauen. Wo wir am Dienstag noch Buckelpiste vorgefunden haben, erwarteten uns auf der Rückfahrt frisch geteerte Bahnen – zweispurig in jede Richtung wohlgemerkt.

In Kiew angekommen lief alles wie geschmiert. Nach einem vitamin- und nährstoffreichen Mahl (Nudeln mit Ketchup, garniert mit Leberwurstbrot) ging es direkt in Richtung Innenstadt. Der Plan: Karten für das Spiel Schweden gegen England zu ergattern. Während es beim ersten Unterfangen kaum Angebote gab (hier spielte die Ukraine gegen Schweden), waren wir beim zweiten Versuch schnell erfolgreich. Zusammen mit Steffen saß ich mitten in der „gelben Wand“ aus mindestens 15.000 Schweden. Im gesamten Stadion werden es wohl bis zu 25.000 gewesen sein. Videos von diesem Stadionbesuch stelle ich nach meiner Rückkehr am Dienstag online. Vorher lässt es die Internetverbindung wieder einmal nicht zu. Solange müssen ein paar Fotos reichen.

Nach einer kurzen Nacht ging es direkt weiter nach Lemberg, wo wir uns mit unseren neuen Bekannten auf das morgige Spiel einstimmen wollen. Wir stehen nicht wie geplant am See, sondern an einem Hotel an der örtlichen Pferderennbahn in Sichtweite des Stadions. Wir werden direkt nach dem Spiel nach Hause fahren und kommen so einfach besser auf die Straße. Mit Blick auf die Arena L’viv haben wir den Grill angeworfen und Fleisch aufgelegt. Schließlich wollen wir uns weiterhin gesund ernähren 😉 In diesem Sinne: auf ein weiteres geiles Spiel, geile Stimmung und drei Punkte!

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