#4U9525

Der Absturz eines Flugzeugs ist etwas tragisches – vor allem wenn es sich dabei um eine Passagiermaschine handelt. Da so etwas nicht jeden Tag vorkommt, beherrscht ein solches Ereignis für die nächsten Tage das Geschehen in den Medien. So wird das auch bei Germanwings-Flug 9525 sein (#4U9525), der heute in den französischen Alpen zerschellte. Noch ist unklar, was genau passiert ist, aber die Maschinerie hat bereits Fahrt aufgenommen. Aufmacher in Sonderformaten in allen Online-Medien und Sonderberichterstattung auf vielen Fernsehkanälen. Die ARD sendet praktisch ohne Pause seit dem Nachmittag und hat sogar einen Reporter vor Ort, der halbstündlich über den neuesten Stand der Bergungsarbeiten berichtet. Rettungsmaßnahmen gibt es keine – diesen Crash hat niemand überlebt.

Was die Kollegen aus den Redaktionen da gerade tun ist richtig und wichtig. Sie sammeln Fakten, analysieren die Sachlage und tragen so ihren Teil zur Aufarbeitung des Geschehens bei. Was mir dabei jedoch nicht in den Kopf geht ist die Berichterstattung über die Angehörigen. Warum müssen wir im Detail erklärt bekommen, wie der Ablauf für die trauernden vor Ort aussieht? Warum fährt „die Meute“ zum Flughafen und setzt diese Menschen dem Blitzlichtgewitter und dem medialen Rummel aus? Dasselbe gilt für die Berichterstattung über die Schülergruppe aus Haltern. Was suchen die Reporter vor der Schule und was erwarten sie? Welchen journalistischen oder nachrichtlichen Wert hat es, vor Ort Freunde und Bekannte zu befragen wie sie sich fühlen? Scheiße natürlich, und wenn ich auf diesem Weg Freunde verlöre, wären Reporter das letzte was ich brauche. Das Allerletzte.

Dieser Teil der Berichterstattung verursacht mir deshalb Bauchschmerzen. Lasst die Leute in Ruhe und konzentriert euch auf das Geschehen in Digne-les-Bains. Dazu wäre ein wenig mehr Sachlichkeit angebracht. Wenn Ellen Ehni zum Abschluss des ARD-Brennpunkts festhält, „dass die Wahrheit möglicherweise nie ans Licht kommt“, werde ich nämlich stutzig. Die Maschine von Germanwings ist zwar vom Radar verschwunden, aber nicht verschollen. Die Absturzstelle wurde lokalisiert, der erste Flugschreiber bereits geborgen. Zusammen mit den Stimmrekordern und den Trümmern dürfte der Unfall mit großer Wahrscheinlichkeit aufgeklärt werden. Vielleicht nicht hundert Prozent vollständig, aber so dramatisch dieses Unglück auch sein mag, sollte nicht am ersten Abend bereits der Nährboden für Verschwörungstheorien gelegt werden. Over and out!

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