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Scheiß auf erste Liga! - Ein für mehr Nostalgie

Im ersten Moment war da nur Freude. Wahnsinnige Freude. Danach haben wir unserer Fantasie freien Lauf gelassen und im Kopf die Auswärtsfahrten nach Berlin, Dortmund, Gelsenkirchen und Köln durchgespielt. Mit einer Woche Abstand sehe ich die Sache etwas anders. Ich freue mich immer noch über den Aufstieg der 98er in die Bundesliga, allerdings bin ich mir nicht mehr sicher ob es für mich nicht irgendwann ein böses Erwachen aus diesem Märchen gibt. Denn Auswärtsspiele und prominente Gegner sind nicht alles. Wenn ich dafür meine gewohnte Umgebung verliere, bleibe ich lieber noch ein paar Jahre in der zweiten oder dritten Liga. Sportlich und finanziell mag die Bundesliga vielleicht das höchste der Gefühle sein, für mich als Fan ist sie das sicherlich nicht.

Nach dem Aufstieg muss sich der Verein noch radikaler und schneller verändern, als das in der zweiten Bundesliga der Fall war. Auf der Tribüne - ohnehin schon chronisch überbelegt - fallen weitere Sitzplätze weg, die zukünftig Pressevertretern vorbehalten sind. Und gibt ein Fan seine Dauerkarte zurück - so wurde es mir auf meine Anfrage mitgeteilt - gehen diese Plätze nicht an Mitglieder auf der Warteliste, sondern an Sponsoren. Für den Verein sind die natürlich wichtig, allerdings handelt sich dabei in meinen Augen auch um die Klientel, deren Dauerkarten mit zwei oder drei Knipsern vor dem St. Pauli Spiel zu hauf bei eBay gelandet sind. Als Fan muss ich vor solchen Leuten zurückstehen. Das ärgert mich und ich mache einen weiteren Strich auf der Liste der Dinge, die mir der Profifußball nicht wert sind.

Ähnlich geht es mir mit dem Stadion, das von mir aus genau so bleiben kann wie es ist. Altbacken, unmodern, anders. Saniert die Gegengerade und baut ein Dach drüber. Unterkellert das ganze, baut WCs ein und stellt drei zusätzliche Imbisswagen auf, aber lasst mich ansonsten in Ruhe. Ich brauche weder eine Multifunktionsarena, noch euer 08/15-Stadion. Für was auch? Ein weiteres Fußballwunder wird es in der ersten Liga nicht geben und wenn es ganz beschissen läuft, werden wir die nächsten zwei Jahre durchgereicht bis in Liga 3. Wie schnell das geht, hat Fürth diese Saison bewiesen. Und ich frage euch, wer dann noch ins Stadion kommt. Die Erfolgsfans, die mir bereits am ersten Tag nach dem Aufstieg in den Arsch gekrochen sind? Ganz sicher nicht!

Wenn es hart auf hart kommt, sitze ich wieder zusammen mit denselben grummligen Gestalten auf meiner Bank... Entschuldigung, meinem Sitz... und harre der Dinge. Wir sprechen dann über vergleichbare Grottenkicks, Gegentore in der 92. Minute und andere Dinge, die bis vor zwei Jahren fest zum Repertoire der Lilien gehörten. Mehr als sechs- bis siebentausend Zuschauer werden in einem solchen Fall nicht mehr kommen (6000 waren es in der Abstiegssaison), bei schlechtem Wetter sogar weniger. Dächer helfen da übrigens auch nur bedingt, vor allem wenn es kalt wird. Richtig kalt, so wie in der Abstiegssaison. Für alle Zeit unvergessen bleiben wird mir das Spiel gegen Wehen Wiesbaden im Jahr 2013 (0:1), während dem mir der Becher mit Wasser zugefroren ist. Glühwein war aus und für Bier war es bei -4 Grad einfach zu kalt.

Ich beginne jedoch abzuschweifen. Kommen wir zurück zum Thema, dem Preis des Erfolgs. Golfsburg und Hoppenheim, dazu die ganz großen Namen aus der Bundesliga. Im ersten Moment ist es verlockend, gegen solche Vereine zu spielen. Dann gehe ich wieder in mich und frage mich, was mich eigentlich genau daran reizt. Die Stadien kenne ich von Länderspielen oder anderen Besuchen. Die Bezahlsysteme, das ganze moderne und der Luxus kotzen mich an! Am besten mit warmem Wasser auf dem Klo, dass man sich kaum noch traut das Ding mit Aufkleber vollzuhauen. Meine 98er gehören dort irgendwie nicht hin - zumindest jetzt noch nicht. Das geht mir alles zu schnell.

Es wäre mir deshalb fast lieber, wir würden erst einmal ein paar Jahre in der zweiten Liga bleiben. Von mir aus sogar wieder unten in der dritten, mit Grottenkicks und leeren Rängen, wenn ich dafür mein Stadion behalten kann. Ich hänge so sehr an der alten Schüssel, dass ich mich ernsthaft frage, ob ich nach einem Umbau weiter dort hingehe. Wenn ich in schlechten Zeiten nicht mehr auf meine geliebte Gegengerade schaue, sondern auf eine x-beliebige Sitzreihe mit Dach an einem x-beliebigen Ort in einem x-beliebigen Land, dann kann ich das auch zuhause vor dem Fernseher machen. Das neue Stadion, das sie da am Böllenfalltor planen, hat nämlich nichts mehr mit mir und meinem Verständnis von Fußball zu tun. Also baut es von mir aus um, aber wundert euch nicht wenn ihr in den unteren Ligen vor leeren Rängen spielt.